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Würzburger Schmerzforscherin Heike Rittner in die Leopoldina aufgenommen

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WÜRZBURG, STADT – Prof. Dr. Heike Rittner, Inhaberin des Lehrstuhls für Schmerzmedizin an der Universitätsmedizin Würzburg, ist in die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina aufgenommen worden. Die Mitgliedschaft würdigt ihre wissenschaftliche Arbeit und soll zugleich der Schmerzmedizin zu mehr Sichtbarkeit verhelfen.

Rittner bezeichnete die Aufnahme als größte Anerkennung und wichtigste Auszeichnung für ihre wissenschaftliche Leistung in Deutschland. Die Mitgliedschaft biete ihr zudem die Möglichkeit, das Thema Schmerz stärker in Wissenschaft, Gesundheitspolitik und Gesellschaft zu verankern.

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Die Medizinerin gründete 2017 das Zentrum für interdisziplinäre Schmerzmedizin (ZiS) und leitet seit 2023 Deutschlands ersten Lehrstuhl für Schmerzmedizin. Ein wichtiger Meilenstein war die Bewilligung der DFG-geförderten Klinischen Forschungsgruppe KFO 5001 „ResolvePAIN“, die sich mit den Mechanismen der Schmerzauflösung beschäftigt.

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Mehr Aufmerksamkeit für chronische Schmerzen

Als Fachärztin für Anästhesiologie, Schmerztherapeutin und Wissenschaftlerin am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) sieht Rittner politischen und gesundheitspolitischen Handlungsbedarf. Die Versorgung chronisch schmerzkranker Menschen sei vielerorts unzureichend und durch die Krankenhausreform zusätzlich gefährdet.

Evidenzbasierte, interdisziplinäre Schmerztherapien würden im derzeitigen Vergütungssystem häufig benachteiligt, während invasive Eingriffe mit teilweise begrenztem Nutzen attraktiver vergütet würden, erklärt Rittner.

Gleichzeitig befinde sich die Schmerzforschung in einer dynamischen Phase. Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung der vergangenen zwei Jahrzehnte würden zunehmend in die klinische Anwendung übertragen. Neue Wirkstoffe und molekular zielgerichtete Therapien eröffneten dabei neue Möglichkeiten.

Nach Ansicht Rittners müssen moderne Medikamente jedoch mit einem ganzheitlichen Behandlungsansatz verbunden werden. Dabei seien neben biologischen Mechanismen auch psychische Faktoren, Behandlungserwartungen sowie die persönliche und soziale Lebenssituation der Betroffenen zu berücksichtigen.

Interdisziplinäre Forschung im Mittelpunkt

Der ganzheitliche Ansatz sei ein besonderes Merkmal der Schmerzmedizin. Chronischer Schmerz entstehe durch das Zusammenspiel körperlicher Prozesse, des Gehirns, der Psyche und des sozialen Umfelds. Forschung und Therapie müssten deshalb verschiedene Ebenen gemeinsam betrachten.

In der Leopoldina ist Rittner der Fachsektion „Chirurgie, Orthopädie und Anästhesiologie“ zugeordnet. Der fachübergreifende Austausch innerhalb der insgesamt 28 Fachsektionen und vier Klassen der Akademie eröffnet ihr zusätzliche Möglichkeiten zur wissenschaftlichen Vernetzung.

„Schmerz ist kein rein medizinisches Thema, sondern ein gesellschaftliches Phänomen“, betont Rittner. Deshalb seien für seine Erforschung und Behandlung unterschiedliche wissenschaftliche Perspektiven notwendig.

Von Berlin über die USA nach Würzburg

Heike Rittner wurde 1968 in Berlin geboren und wuchs in Oldenburg auf. Nach ihrem Medizinstudium in Wien und Würzburg folgten weitere Ausbildungsstationen unter anderem an den Universitäten Yale und Basel. Wissenschaftlich arbeitete sie zunächst an der Mayo Clinic im US-amerikanischen Rochester.

Über die Charité – Universitätsmedizin Berlin, wo sie den Grundstein für ihre Karriere in der Schmerzforschung legte, kam sie 2008 an die Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie des UKW.

Den dort bereits bestehenden Schwerpunkt der Schmerzmedizin baute Rittner sukzessive zum Zentrum für interdisziplinäre Schmerzmedizin aus, das sie seit 2017 leitet. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft bewilligte 2020 die von Rittner und Prof. Dr. Claudia Sommer geleitete Klinische Forschungsgruppe KFO 5001 „ResolvePAIN“.

2021 wurde Rittner auf die W2-Professur für klinische und experimentelle Schmerztherapie berufen. 2023 übernahm sie den neu eingerichteten Lehrstuhl für Schmerzmedizin. Zu ihren Spezialgebieten zählen entzündlicher und neuropathischer Schmerz, Barrieren als Schutz für das Nervensystem, persistierende Schmerzen nach Operationen sowie das komplexe regionale Schmerzsyndrom.

Seit 2025 ist Heike Rittner Prodekanin und gehört dem Fakultätsvorstand an. Sie lebt mit ihrer Familie in Würzburg.

Weitere Informationen zum Zentrum für interdisziplinäre Schmerzmedizin gibt es beim Uniklinikum Würzburg, zur Deutschen Forschungsgemeinschaft und zur Klinischen Forschungsgruppe ResolvePAIN.


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