Gemeinderat Grafenrheinfeld hat Schacht Konrad besucht – Einblicke in das erste deutsche Endlager
GRAFENRHEINFELD – Gemeinderat besucht Schacht Konrad: Informationsfahrt verdeutlicht zentrale Rolle der Standortgemeinden in der nuklearen Entsorgung
Auf Einladung der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hat der Gemeinderat der Gemeinde Grafenrheinfeld eine zweitägige Informationsfahrt nach SALZGITTER unternommen, um sich vor Ort ein umfassendes Bild vom Endlagerprojekt „Schacht Konrad“ zu machen. Begleitet wurde die Delegation von Stefan Mirbeth, Ansprechpartner der bundeseigenen Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) am Standort GRAFENRHEINFELD.
Als Gemeinde mit bestehendem Zwischenlager war es für die Räte besonders wichtig, einen direkten, realitätsnahen Einblick in die bundesweite Endlagerstrategie für schwach- und mittelradioaktive Abfälle zu erhalten.
Informationszentrum und Faktenlage: Geschichte, Genehmigung, Geologie
Der erste Tag führte die Delegation ins Informationszentrum von „Schacht Konrad“. Dort vermittelte Henning Hofmann von der BGE in einer sachlich fundierten und zugleich verständlichen Präsentation die historischen, technischen und rechtlichen Hintergründe des Projekts. Im Dialog mit Experten der BGE und BGZ wurden wesentliche Fragen rund um Genehmigungsprozesse, geologische Voraussetzungen sowie die strategische Bedeutung des Projekts diskutiert.
Das Endlager Schacht Konrad befindet sich im früheren Eisenerzbergwerk bei SALZGITTER, in dem bis 1976 rund 6,7 Millionen Tonnen Erz gefördert wurden. Bereits ab Mitte der 1970er-Jahre begannen Untersuchungen zur Eignung des Standorts als Endlager. Die Genehmigung zur Umnutzung erfolgte 2002, wurde 2007 höchstrichterlich bestätigt, und seitdem wird das Bergwerk in einem aufwendigen Prozess zum Endlager umgebaut. Die Inbetriebnahme ist für die frühen 2030er Jahre geplant.
Besonders überzeugend: Die stabile geologische Situation mit mächtigen Tonschichten verhindert zuverlässig das Eindringen von Wasser – ein zentrales Sicherheitskriterium. Die Lagerbereiche befinden sich in 800 bis 850 Metern Tiefe, deutlich unterhalb des Grundwasserspiegels.
Einblick unter Tage: Technische Komplexität und menschliche Leistung
Am zweiten Tag der Reise ging es für die Gemeinderäte unter Tage: Mit Schutzkleidung, Helm und Sauerstoff-Selbstretter ausgestattet, fuhr die Gruppe mit dem Förderkorb über 1.000 Meter in die Tiefe. Dort bewegte man sich per Spezialfahrzeug durch das über 30 Kilometer lange Streckennetz.
Besichtigt wurden unter anderem bereits vorbereitete Einlagerungsbereiche und die künftige Umladestation für radioaktive Abfälle. In der 32 Grad warmen Umgebung wurde den Teilnehmern der enorme technische und organisatorische Aufwand deutlich, der mit der Umrüstung des ehemaligen Bergwerks zum Endlager verbunden ist.
Die Führung unter Tage übernahm erneut Henning Hofmann als verantwortliche Aufsichtsperson. Für die Gemeinderäte war der persönliche Eindruck von der Arbeit und Sorgfalt vor Ort ebenso eindrücklich wie die dokumentierte lückenlose Nachvollziehbarkeit aller Bauphasen.
Bedeutung für die eigene Rolle: Zwischenlager als faktische Langzeitlösung
Bürgermeister Christian Keller betonte nach der Rückkehr:
„Es war wichtig, den Ort selbst zu sehen – nicht nur auf dem Papier. Der Besuch hat deutlich gemacht, welche gewaltige, gesamtgesellschaftliche Aufgabe das Thema Endlagerung darstellt. Als Standortgemeinde eines Zwischenlagers übernehmen wir bereits heute Verantwortung.“
Die Delegation wurde darin bestärkt, dass transparente Kommunikation, Fachwissen und Einbindung der Standortgemeinden entscheidende Faktoren für Akzeptanz und Mitwirkung sind.
Gleichzeitig wurde klar, dass die bestehenden Zwischenlager – darunter auch GRAFENRHEINFELD – auf absehbare Zeit eine faktische Langzeitlagerfunktion erfüllen müssen. Laut Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) wird sich allein die Suche nach einem Endlager für hochradioaktive Abfälle bis etwa 2074 hinziehen. Planung, Genehmigung und Bau werden weitere Jahrzehnte in Anspruch nehmen.
Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft der Standortgemeinden kerntechnischer Anlagen (ASKETA), zu der auch Grafenrheinfeld gehört, fordern daher stärkere politische Anerkennung und echte Perspektiven für die belasteten Kommunen.
Bürgermeister Keller abschließend:
„Der Besuch hat uns nicht nur informiert, sondern unsere Rolle in der Entsorgungslandschaft Deutschlands klar vor Augen geführt. Es braucht Anerkennung, Beteiligung und tragfähige Lösungen für die Standortgemeinden – denn wir tragen diese Verantwortung bereits heute.“
ANZEIGE
Heute mal ausgehen/bestellen? Unsere Partner:
Alle Angaben ohne Gewähr!
Fotos sind ggf. beispielhafte Symbolbilder!
Kommentare von Lesern stellen keinesfalls die Meinung der Redaktion dar!


















