NGG warnt vor Folgen längerer Arbeitszeiten für Familien

SCHWEINFURT – Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) warnt vor den Auswirkungen einer möglichen Änderung des Arbeitszeitgesetzes auf Familien. Nach Ansicht der NGG Unterfranken würde eine Abschaffung des 8-Stunden-Tages die Vereinbarkeit von Beruf und Familie deutlich erschweren.
In Schweinfurt gibt es nach Angaben der amtlichen Statistik für rund 430 Kinder unter drei Jahren einen Kitaplatz. Die Betreuungsquote liegt damit bei gut 30 Prozent. „Das ist zu wenig. Vor allem wenn Eltern arbeiten, müssen sie sich darauf verlassen können, dass ihre Kinder betreut werden“, sagt Ibo Ocak von der NGG. Der landesweite Bedarf bei der Betreuung von Unter-3-Jährigen in Bayern liege laut einer Studie des Deutschen Jugendinstituts (DJI) bei 47 Prozent.

Die Gewerkschaft sieht durch die geplanten Änderungen beim Arbeitszeitgesetz erhebliche Probleme auf Eltern zukommen. „Wenn das passiert, dann bricht für Eltern jede Planung bei der Kinderbetreuung zusammen. Denn dann kann ein Arbeitstag auch mal zwei oder sogar dreieinhalb Stunden länger werden“, sagt Ocak.

Gerade für berufstätige Eltern seien verlässliche Betreuungs- und Arbeitszeiten entscheidend. Kita- und Arbeitszeiten seien häufig bereits eng aufeinander abgestimmt. Wenn aus einem 8-Stunden-Tag künftig Arbeitszeiten von zehn oder zwölf Stunden am Stück möglich würden, werde eine verlässliche Alltagsplanung für viele Familien deutlich schwieriger.
Auch im Bereich der Pflege sieht die NGG Probleme. Menschen, die sich um Angehörige kümmern, benötigten planbare Arbeitszeiten. „Verlässlichkeit ist das A und O“, so Ocak.
Besonders betroffen seien laut Gewerkschaft Frauen. Bei einer bundesweiten Beschäftigtenbefragung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) hätten 51 Prozent der Frauen angegeben, sich zu Hause um Angehörige – insbesondere Kinder oder ältere Menschen – zu kümmern. Bei Männern seien es 41 Prozent. Bereits heute hätten gut ein Fünftel aller Beschäftigten häufig Schwierigkeiten, Familie und Beruf zeitlich zu vereinbaren. Bei alleinerziehenden Frauen liege dieser Anteil bei 42 Prozent.
Die NGG kritisiert zudem mögliche längere Wochenarbeitszeiten. Sollte die Bundesregierung den 8-Stunden-Tag abschaffen und eine Höchstgrenze von 48 Stunden sowie in Ausnahmefällen bis zu 73,5 Stunden pro Woche ermöglichen, würde dies nach Ansicht der Gewerkschaft zusätzliche Belastungen für viele Familien bedeuten.
Den Arbeitskräftemangel in Branchen wie Gastgewerbe, Lebensmittelhandwerk und Nahrungsmittelindustrie löse man nicht durch längere Arbeitstage, sondern durch bessere Arbeitsbedingungen und mehr Betreuungsangebote, erklärt Ocak.
Auch gesundheitliche Risiken spricht die Gewerkschaft an. Nach acht Stunden Arbeit steige das Unfallrisiko, nach zwölf Stunden sei es laut Ocak sogar doppelt so hoch wie bei einem regulären 8-Stunden-Tag. Zudem könnten zu lange Arbeitszeiten Schlafstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Burnout begünstigen.

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