Neuer Therapieansatz bei chronischen Wunden mit probiotischen Bakterien
WÜRZBURG – Ein Forschungsteam der Hautklinik am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) hat eine innovative Methode zur Behandlung chronischer Wunden entdeckt, bei der probiotische Milchsäurebakterien zum Einsatz kommen. In einer im „Journal of the American Academy of Dermatology“ veröffentlichten Fallbeobachtung berichten die Mediziner über beeindruckende Heilerfolge bei Patienten, deren Wunden mit dem hartnäckigen Keim $Pseudomonas$ $aeruginosa$ besiedelt waren. Durch die tägliche Anwendung eines laktobazillenhaltigen Pulvers konnte der schützende Biofilm der Erreger durchbrochen und die Bildung von gesundem Gewebe bereits nach wenigen Tagen angeregt werden.
Der Keim $Pseudomonas$ $aeruginosa$ gilt in der Wundversorgung als besonders problematisch, da er Barrieren bildet, die weder von Immunzellen noch von herkömmlichen Antibiotika durchdrungen werden können. Die Würzburger Forscher nutzten jedoch die natürlichen Eigenschaften von Milchsäurebakterien, um diesen Schutzmechanismus zu schwächen. Im klinischen Versuch verbesserte sich bei den Patienten – einer litt an einem venösen Beingeschwür, der andere an Pyoderma gangraenosum – der Zustand der Wunden signifikant: Unangenehme Gerüche verschwanden, Beläge lösten sich auf, und nach ein bis zwei Wochen war der gefährliche Keim in Abstrichen nicht mehr nachweisbar.
Dr. Tassilo Dege und Prof. Dr. Astrid Schmieder betonten, dass die Lactobazillen nicht nur die schädlichen Bakterien schwächen, sondern über Botenstoffe wie Interleukin-6 auch wichtige Haut- und Bindegewebszellen zur Heilung aktivieren. Dieser Ansatz bietet den großen Vorteil, keine neuen Antibiotikaresistenzen zu fördern. Obwohl die Ergebnisse äußerst vielversprechend sind, warnen die Experten vor einer unkontrollierten Eigenbehandlung; die Therapie mit lebenden Probiotika sollte aufgrund potenzieller Risiken stets unter ärztlicher Aufsicht erfolgen und wird nun in weiteren Studien vertieft untersucht.
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