Babygesänge: Kathleen Wermke als Pionierin geehrt

WÜRZBURG – Prof. Dr. Kathleen Wermke vom Universitätsklinikum Würzburg (UKW) ist in Baden-Baden mit dem Institutionspreis des Kulturpreises Deutsche Sprache ausgezeichnet worden. Der Preis würdigt die bahnbrechende Arbeit ihres Zentrums für vorsprachliche Entwicklung und Entwicklungsstörungen (ZVES). Wermke erforscht seit Jahrzehnten das Weinen und die vorsprachlichen Lautäußerungen von Säuglingen und konnte zeigen, dass Babys die Sprachmelodie ihrer Mütter bereits im Mutterleib imitieren, um eine emotionale Bindung aufzubauen. Ihre Erkenntnisse fasste sie in dem bereits ausgezeichneten Sachbuch „Babygesänge. Wie aus Weinen Sprache wird“ zusammen.
Kathleen Wermke, die am 27. September 2025 neben dem Hauptpreisträger Hape Kerkeling geehrt wurde, leitet das ZVES am UKW, das in enger Kooperation mit der Kinderklinik, der Hals-Nasen-Ohren-Klinik und der Kinderneurochirurgie gegründet wurde.
Weltweit einzigartige Datenbank

Im ZVES ist im Laufe der Jahre eine weltweit einzigartige Datenbank von Babylauten entstanden. Mithilfe dieser Daten kann die normale Sprachentwicklung analysiert werden, ebenso wie Einflussfaktoren wie Fehlbildungen, Hörstörungen oder Umweltbedingungen. Die Forschung zielt darauf ab, Entwicklungsstörungen frühzeitig zu erkennen und gezielte Fördermaßnahmen zu entwickeln. Wermke betonte, dass mittels der Sprach- und Stimmdiagnostik heute eine Hörstörung bei Babys sehr früh behandelt werden könne. Sie freue sich sehr über die Anerkennung, die angesichts der aktuellen globalen Probleme nicht leicht zu erzielen sei.

Sprache als Urgesang und Emotion
Wermkes Forschung legt nahe, dass Sprache bereits im Mutterleib beginnt und Säuglinge nach der Geburt die Sprachmelodie ihrer Mütter nachahmen. Diese stimmlichen Botschaften, die sie als eine Art Urgesang beschreibt, seien der Weg zur gesprochenen Sprache. Sie möchte Erwachsene dazu anregen, Babys aktiv zuzuhören, ihre stimmlichen Botschaften wertzuschätzen und diese emotionale Sprache als Grundlage der Sprachkompetenz zu akzeptieren.
In seiner Laudatio würdigte Prof. Dr. Helmut Glück, Sprachwissenschaftler und Jurymitglied, Kathleen Wermke als eine Pionierin und Grundlagenforscherin in einem Übergangsbereich zwischen Biologie, Medizin und Linguistik. Er hob hervor, dass sie herausgefunden habe, dass das Babyweinen durch Tonkurven aus Melodien, Rhythmen, Lautstärken und Klangfarben charakterisiert sei. Zudem konnte sie zeigen, dass sich diese Grundbausteine abhängig von der Sprache unterscheiden, die die Mutter während der Schwangerschaft gesprochen hat. Sie geht auch der Frage nach, ob sich vom Babyweinen auf Entwicklungsstörungen im Gehirn schließen lässt.

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