Cochlea: Neues System nach CE-Zulassung für geeignete Patientinnen und Patienten verfügbar

WÜRZBURG, LKR. WÜRZBURG – Am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) ist erstmals weltweit eine Patientin an beiden Ohren mit vollständig implantierbaren Cochlea-Implantaten versorgt worden. Das Team der HNO-Klinik setzte ihr am 29. September ein zweites Implantat ein. Das erste hatte die Patientin im Rahmen einer Zulassungsstudie erhalten. Bei der aktuellen Operation kam das inzwischen CE-zugelassene System zum Einsatz. Die HNO-Klinik des UKW gehört zu den ersten vier Kliniken weltweit, die das neue Implantat einsetzen.
Die Patientin wird seit ihrer Kindheit im Hörzentrum der HNO-Klinik, dem Comprehensive Hearing Center (CHC), betreut. Mit dem ersten Implantat war sie so zufrieden, dass sie sich die Versorgung auch für das zweite Ohr wünschte.

„Bislang konnten wir das voll implantierbare System nur im Rahmen von Studien einsetzen. Mit der CE-Zulassung steht es nun allen Patientinnen und Patienten offen, für die es infrage kommt“, sagt Prof. Dr. Kristen Rak, Leitender Oberarzt des Hörzentrums und Ärztlicher Leiter des Bereichs Hörprothetik und implantierbare Hörsysteme an der HNO-Klinik des UKW. „Wir konnten als erste Klinik weltweit eine beidseitige Versorgung mit diesem System umsetzen. Das zeigt die hohe Versorgungsqualität und Innovationskraft unseres spezialisierten Zentrums.“

Was ist ein Cochlea-Implantat?
„Hörgeräte und herkömmliche implantierbare Hörsysteme verstärken den Schall. Sie helfen deshalb nur, solange im Innenohr noch funktionsfähige Sinneszellen vorhanden sind, die sogenannten Haarzellen“, erklärt Prof. Rak. Ein Cochlea-Implantat (CI) übernimmt dagegen die Funktion geschädigter Haarzellen und stimuliert den Hörnerv direkt.
Ein CI kommt infrage, wenn die Haarzellen so stark geschädigt sind, dass mit anderen Hörhilfen kein ausreichendes Sprachverstehen mehr möglich ist. Ob eine solche Versorgung sinnvoll und möglich ist, wird vorab durch umfangreiche Untersuchungen geklärt.
Alle Komponenten unsichtbar unter der Haut
Ein herkömmliches Cochlea-Implantat besteht aus zwei Teilen. Das Implantat selbst wird im Schädelknochen verankert. Der äußere Teil mit Mikrofon, Prozessor und Stromversorgung wird am Kopf getragen und per Magnet über dem Implantat gehalten.
Beim vollständig implantierbaren System liegen dagegen alle Komponenten unter der Haut und sind von außen nicht sichtbar.
„Die Unsichtbarkeit ist aber nur ein Aspekt. Viel wichtiger ist: Mit dem neuen System kommen wir einem vollständigen Ausgleich der Hörbehinderung deutlich näher. Die Betroffenen können den ganzen Tag und in jeder Situation hören, ohne Kompromisse“, erläutert PD Dr. Anja Kurz, Technische Leiterin des CHC.
Die Patientinnen und Patienten aus der Zulassungsstudie hätten diesen Aspekt immer wieder hervorgehoben. Das gelte auch für Menschen, die auf dem anderen Ohr bereits ein herkömmliches Cochlea-Implantat tragen.
UKW-Hörzentrum als zentrale Anlaufstelle
Das 2009 gegründete interdisziplinäre Hörzentrum des UKW ist die zentrale Anlaufstelle für Menschen mit Hörstörungen und ihre Angehörigen. Die verschiedenen Fachgruppen, die an der Versorgung schwerhöriger Menschen beteiligt sind, arbeiten dort eng zusammen.
Das Angebot reicht vom Neugeborenen-Hörscreening über eine individuelle Beratung zu aktuellen Diagnose- und Therapiemöglichkeiten bis zur Versorgung mit modernen Hörgeräten und implantierbaren Hörsystemen. Auch die lebenslange Nachsorge gehört zum Angebot.
„Als klinisches Entwicklungszentrum für neue Hörsysteme bringt das Zentrum Innovationen aus der Forschung schnell in die Patientenversorgung“, erklärt Prof. Dr. Stephan Hackenberg, Direktor der HNO-Klinik des UKW.
In den vergangenen 25 Jahren wurden am Universitätsklinikum Würzburg mehr als 4.000 Cochlea-Implantate eingesetzt.

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